Schottland // 1 Roadtrip – 10 Bilder

Die kalte Jahreszeit hat das Land inzwischen fest im Griff. Jetzt ist Zeit, Fotoalben vollzukleben und all die Erinnerungen des Sommers zu bewahren. Weil ich Fotos nur noch im seltensten Fall entwickeln lasse, da ich gerade meinen gesamten materiellen Besitz minimiere, stelle ich meine Erinnerungen nicht mehr in Regal oder Kommode. Mein Blog ist meine neue Kommode, wo ich all das Schöne digital aufbewahre. Neulich dachte ich so: könntest ja mal nach aktuellen Blogparaden gucken. Roadtrip in Bildern von KindimGepäck gefiel mir gut. Zum einen: Roadtrips machen einen Großteil unserer Reisen aus. Zum anderen: eine schöne kompakte Darstellung des Themas ist möglich, und der Fokus liegt auf den Bildern. Ich dachte sofort, das unsere Schottlandreise gut in diese Blogparade passen könnte. Auch deshalb, weil man zur Abwechslung keinen Mietwagen buchen muss, sondern ab Amsterdam mit der Fähre nach Nordengland gelangt. Und deshalb war unser „Einsatzfahrzeug“ auch mein ganz alltägliches Auto:

Suzuki Swift geparkt in der Region Durness, Schottland

PIN IT! Darf ich vorstellen? „Sookie“, mein Suzuki.

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Mit dem kleinen Schwarzen fahre ich auch zur Arbeit oder zum Einkaufen. Ich war gespannt, wie der Kleine sich in einem ganz anderen Land machen würde und hoffte, dass ihm im Linksverkehr nichts passieren würde. Einfach ausprobiert und in Ijmuiden in den Bauch der DFDS Seaways nach Nordengland gefahren. Am nächsten Morgen im Terminal von Newcastle aus dem Schiffsbauch wieder hinaus, schwups auf die linke Spur gelenkt und ab nach Edinburgh. Mein Nils und ich leben nach der Philosophie: Während einer Reise darf zunächst einmal der Blick von oben nicht fehlen. Wo immer man auch ist, es kann nie schaden, sich einen guten Überblick zu verschaffen. Ob das ein Wolkenkratzer in New York ist oder ein erloschener Vulkan auf Lanzarote – ganz egal, Hauptsache erst einmal von oben den neuen Ort entdecken. In Edinburgh bietet sich da am ersten Tag die leicht erreichbare Burg an, später dann auch längere Wanderungen, zum Beispiel auf den Hausberg „Arthur’s Seat“.

 

Edinburg Skyline

PIN IT! Die Skyline von Edinburgh – und im Hintergrund der Fjord „Firth of Forth“.

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Siehst du die Straße mit den vielen Bussen? Dahin gingen wir nach unserer Burgbesichtigung und dann nach links gaaanz die Straße herunter. Ich hatte nämlich gelesen, dass man so zum Dean Village – und dort auf den Water of Leith Walkway gelangt. Dieser Spazierweg entlang des Flusses Water of Leith misst insgesamt 20 Kilometer, startet schon vor den Toren Edinburghs und endet am Hafen von Leith. Wer auf den Uferweg stößt, gelangt plötzlich in eine ganz andere Welt als jene der trubeligen Stadt Edinburgh. Am Water of Leith ist alles grün zugewuchert – fast dschungelartig – dornröschenartig ruhig und man hat das Gefühl inmitten der Stadt allein sein zu können.

 

Water of Leith Walkway, Dean Village, Edinburgh

PIN IT! Der Water of Leith Walkway schlängelt sich an alten Gemäuern entlang durch Dean Village.

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Nach Edinburgh machten wir Meilen. Wir bereisten Schottland auf unsgesamt über 3000 Kilometern gegen den Uhrzeigersinn und fuhren zunächst hoch zur Halbinsel Fife. Für einen guten Stopp am ersten Tag des Roadtrips eignet sich zum Beispiel Falkland Palace and garden, ehemaliges Jagdschloss der schottischen Könige. Auch Maria Stuart hielt sich dort, in ihrer kurzen Zeit als schottische Königin, gerne auf. Unser Tag on the road endete mit diesem tollen Ausblick des Hotels The Bank/Anstruther:

 

Blick aus Fenster, Hotel The Bank, Anstruther

PIN IT! Schottlandglück: Zimmer mit Aussicht auf die Küste der Halbinsel Fife im Winkel „East Neuk“.

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Jetzt überspringe ich Stopps (Dunnottar Castle – Cairngorm National Park – Whisky Trail – Moray Coast Trail), denn ich möchte dir die Einsamkeit des rauen Nordens Schottlands ans Herz legen. Viele Touristen schaffen es immerhin bis zum Loch Ness – das liegt auch schon sehr weit im Norden – kehren dann aber wieder um, und verpassen daher den spektakulären Küstenabschnitt im nördlichsten Schottland, von John o‘ Groats nach Durness. Also: ab auf die Straße!

 

Auto fährt auf der Straße nach John o' Groats, Schottland

PIN IT! Die Straße nach John o‘ Groats (im Tal), im nordöstlichsten Zipfel Schottlands und in Richtung Fährableger zu den Orkney Inseln.

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Der richtige Ort, um Urlaub zu machen? Oh ja! Denn entlang der Strecke nach Durness liegen die schönsten Bergpanoramen der Highlands, einsame Strände und klares Wasser.

 

Bergpanorama, Nordschottland

PIN IT! Die Highlands in der Grafschaft von Sutherland, an der Küstenstraße von John o‘ Groats nach Durness.

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Weitere lohnenswerte Stopps an der Strecke sind Duncansby Head – von dort aus sieht man die Orkney Inseln und die „Stacks of Duncansby“, das sind alleinstehende, kaminflammenartige Felsen – die Gills Bay, wo sich fast immer eine größere Seehundkolonie aalt, und die Dünen von Dunnet Bay, die einen Überblick über die gesamte Küste bis nach Cape Wrath bieten. Wo aber liegt Schottlands schönster Strand? Für diesen lohnt sich der Weg mit der Fähre auf die äußeren Hebriden Lewis und Harris. Der Traigh Luskentyre verdient das Attribut „einsamer Strand“ wirklich. Auf der weitläufigen Fläche des Gezeitenstrandes begegnete uns an einem Sommertag nur ein einziges anderes Pärchen. Außerdem kannst du am Strand von Luskentyre helles, türkises Wasser sehen – und das im hohen Norden Schottlands. Ein must-see, überzeuge dich selbst:

 

Der Strand von Luskentyre, Insel Harris, Äußere Hebriden, Schottland

PIN IT! Die Karibik Schottlands: Keine Menschen und kein Kamerafilter nötig.

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Der Strand von Luskentyre, Insel Harris, Äußere Hebriden, Schottland

PIN IT! Der Gezeitenstrand Luskentyre liegt auf der Insel Harris auf den äußeren Hebriden.

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Es ist kein Wunder, dass im Norden Schottlands – diesem monatelang kalten und oft ungemütlichen, einsamen Landstrich – viele Künstler leben, zum Beispiel im Kunsthandwerkerdorf Balnakeil Craft Village.

Exkurs: Leben und arbeiten in ehemaligen Militärbaracken

Das Balnakeil Craft Village nahe der Ortschaft Durness wurde in den fünfziger Jahren konstruiert als eine Frühwarnstation des Verteidigungsministeriums während des Kalten Krieges. Genutzt wurde es eigentlich nie, und 1964 wollte die Kommune die Baracken verkaufen. Die Stadtverwaltung stellte sich eine industrielle Nutzung vor und schrieb das Projekt aus. Es wurde bekannt als das „Far North Project“. Anzeigen wurden in den Zeitungen im ganzen Land geschaltet. Doch die einzigen, die sich für dieses Ansiedlungs- und Nutzungskonzept interessierten, waren Künstler und Kunsthandwerker. Balnakeil Craft Village wurde geboren. Die Gebäude  bestanden aus leeren Betonschalen ohne Elektrizität. Die ersten Bewohner arbeiteten hart, um die Baracken wohnlich zu gestalten. In den achtziger Jahren bat die Regionalbehörde der Highlands den Bewohnern an, dass sie ihre Behausungen kaufen dürfen. So wurde Balnakeil nicht nur zur ersten Einrichtung seiner Art, sondern auch zur ersten, die den Künstlern selbst gehört. Heutzutage beinhaltet das Künstlerdorf einen Mix aus bescheidenen Wohnresidenzen und kleinen Geschäften. Es gibt keine festgelegten Regeln, wie sie für Kommunen üblich wären – außer „A shared love of this wild and beautiful corner of North West Scotland“ – also die gemeinsame Liebe für diesen rauen und schönen Winkel Nordwestschottlands. Die Verschönerung und Verbesserung geht voran. In all den Jahren wurden Gärten angelegt und Blumen auf den gemeinschaftlich genutzten Flächen gepflanzt. Sogar eine Schokoladenmanufaktur versüßt den Besuchern den Tag. Das Kunsthandwerkerdorf Balnakeil hat keine offizielle Homepage, aber eine Facebookfanpage.

Tasse heiße Schokolade mit Pralinen und Kunstprospekt

PIN IT! Im Cocoa Mountain, der Schokoladenmanufaktur im Balnakeil Craft Village, trank ich ungelogen die beste heiße Schokolade meines Lebens!

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Eilean Donan Castle

PIN IT! Eilean Donan Castle: DAS Highlander Schloss.

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Das waren bereits meine zehn Schottland-Bilder, und ich hoffe, ich konnte dich dazu ermutigen, über die Brücke zu gehen – in ein Land, das kalt ist – ja.. und nicht lieblich. Aber es ist das perfekte Land für einen Roadtrip von Deutschland aus, weil du über Nacht und Nordsee schnell dorthin gelangst und einfach alles sehen kannst: vibrierende Städte, historische Stätten, Highlands und High Tea, Strände so weit das Auge reicht und Künstler, die dies für immer festhalten.

Ich wünsche dir viel Spaß und alles Liebe,

Deine Bea ~ ღ ~

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