Silvester in London – Quality Time verbringen

Feuerwerk am London Eye, 2018

Gehörst du auch zu denjenigen, die Silvester immer schon in einer coolen Stadt feiern wollten, es aber nie in die Tat umsetzten? Ich habe dieses Jahr kurzentschlossen zwei Nächte in London für mich und meinen Mann gebucht – und es gehörte zu einer der schönsten Quality Times, die wir bislang genossen haben (und wir zählten in elf Jahren tausende tolle Momente).

Aber von vorn: Mit dem Partner reisen, das ist ja so eine Sache. So manche Beziehung übersteht den ersten Urlaub nicht, weil man in der Ferne feststellt: Nee, also eigentlich will ich mir das doch nicht geben. Reisen ist die Königklasse der guten Kompromisse, beide Partner haben nur begrenzt Zeit, einen hohen Ressourceneinsatz (sprich: Geld) und dementsprechend great expectations. Und: beide sind wie sie sind, können sich nicht verbiegen und mögen nunmal mitunter unterschiedliche Dinge. Trotzdem will man auf Reisen möglichst viel Zeit miteinander verbringen, der Kompromiss: Du machst deins, ich mach meins zieht also nicht wirklich.

Oftmals fängt es schon bei der Reisezielfindung an. Als mein Mann und ich uns kennenlernten, waren wir uns schnell einig: Zusammen reisen? Definitiv! Wann gehts los? 🙂 Aber über die Ziele gab es dann doch Diskussion, was dazu führte, dass wir sagten: Ok, einmal bestimmst du das Ziel und dann abwechselnd ich. Das hielten wir nicht lange durch, und es war auch schwer umsetzbar, also wurden die Jahre danach Entscheidungen zwischen Wünschen, Zeit, Klima und Geldbeutel getroffen.

Auf unserer Hochzeitsreise schrieben wir dann unsere gemeinsame Bucket List, das 12-Country-Game: Jeder notiert ohne das Wissen des anderen 12 Länder, davon 6 Nah- und 6 Fernreiseziele. Dann werden die zufälligen Übereinstimmungen eruiert. Wir hatten fünf Übereinstimmungen oder weitgehende Treffer (Norwegen vs. Schweden u.ä.). Vieles haben wir dann in die Tat umgesetzt, zum Beispiel eben Skandinavien, und manches Ziel ist der eine dem anderen zuliebe bereist.

Als ich überlegte, was ich meinem Mann zu Weihnachten schenken könnte, dachte ich gleich daran, dass eine Kurzreise über Silvester nach London ihn glücklich machen würde. Ich hatte seine Bucket List gar nicht mehr genau im Kopf, aber intuitiv wusste ich: Das ist genau das richtige Geschenk! Erst nach der Reise öffnete ich durch Zufall wieder die Liste – und siehe da: London war sein Nummer-1-Wunschziel 🙂 Auch, weil er noch nie dort gewesen war, stand meine Entscheidung fest und ich zahlte ein Vermögen für den Flug.

Trotzdem nahm ich mir vor, keine Sehenswürdigkeiten „abzureißen“. Es war mein Weihnachtsgeschenk und im Vordergrund stand die gemeinsame Zeit. Durch Vorrecherche und clevere U-Bahn-Planung schafften wir dennoch zwei gute Touren und ich möchte dich gern daran teilhaben lassen.

Bestimmt interessierst du dich aber zuerst dafür, wie es denn so ist zum Jahreswechsel in London? Wo hält man sich auf, wie feiern die Briten, was darf man nicht verpassen? Das ist eine berechtigte Frage, und ich will sie dir gleich beantworten: Silvester wird in London völlig anders gefeiert als in Deutschland. Genau wie die Franzosen machen sich die Briten nicht viel aus Böllerei beziehungsweise, daraus, privat Böller zu kaufen und zu verpulvern. Vielmehr feiern alle an einem Ort ein großes Volksfest, bis um 0 Uhr Greenwich Mean Time Zone EIN zentrales Feuerwerk für alle am London Eye gezündet wird, das ist das viertgrößte Riesenrad der Welt, direkt an der Themse.

Ich muss sagen, dass mich dieses Modell sofort überzeugte – denn was wäre es für eine Umweltverschmutzung, wenn alle Privathaushalte in einer 8,5-Millionen-Stadt böllern würden? Deutschland, finde ich, sollte sich das wirklich überlegen und in großen Städten ein ähnliches Event an einem zentralen, ikonischen Ort anbieten. Und ich garantiere dir: Wenn du einmal das Feuerwerk am London Eye gesehen hast, dann willst jedes Silvester wieder nach London. Nicht nur, dass das Zusammenspiel aus der Sehenswürdigkeit London Eye und einem Feuerwerk einmalig ist (ähnlich wie am Eiffelturm), es ist auch die Choreographie, die dahintersteckt.

In den letzten 60 Sekunden beginnt oben rechts ein kleines Licht im Sekundentakt aufzublinken und wandert dann im Uhrzeigersinn über die Gondeln weiter, verliert sich ein wenig und taucht zu den letzten zehn Sekunden wieder auf. In dem Moment beginnen alle, also Millionen von Besuchern: TEN, NINE, EIGHT .. Um 0 Uhr: bähm! schießen die ersten Feuerwerkskörper aus der Mitte des Millenium Wheels heraus. Da man das kaum in Worten beschreiben kann, habe ich dir ein paar YouTube-Videos herausgesucht. Im Video des BBC wird um 0 Uhr Big Ben eingeblendet, der zur vollen Stunde in bekannter Melodie schlägt, leider zeigt der Sender nicht im Split Screen den Moment, wenn das Feuerwerk startet. Am besten schaust du dir daher beide Videos, die ich hier einbette, an:

 

Jetzt fragst du dich bestimmt: Wo muss ich denn stehen, um die beste Sicht zu ergattern? Das haben wir uns logischerweise auch gefragt und leider war die beste Sicht, weil ich ja eine Woche vorher erst gebucht hatte, schon vergeben. Das gesamte gegenüberliegende Ufer, also das Victoria Embankment, die Brücken und selbst der hintere Teil des Rades sind am Silvesterabend abgesperrt. Ein Ticket kostet zwar „nur“ 10 Pfund, aber man muss schnell sein, denn der Verkauf beginnt Ende September.

Auf der Internetseite der britischen Regierung kannst du dich heute bereits für Ticketinformationen registrieren. Die Tickets sind in Farbkategorien eingeteilt und die Farben verweisen auf bestimmte Standorte am Ufer oder auf Brücken. Wenn der Ticketverkauf für 2018 startet, wirst du auf london.gov.uk genau über deine Möglichkeiten und alles Wissenswerte informiert. Achte darauf: Kaufe kein Ticket von Wiederverkäufern, diese sind nicht gültig.

Wir konnten also nicht in der Nähe des Feuerwerks stehen, das fand ich aber grundsätzlich gar nicht schlecht, denn ich bin eh ein Verfechter davon, auf Reisen erstmal herauszufinden, wie ein Ort tickt und sich dann näher heranzuwagen. Deswegen habe ich bei einem Londonblogger Infos herausgesucht, von wo aus man das London Eye von oben und umsonst sehen kann. So landeten wir auf dem Public Roof Top des One New Change – ein Einkaufstempel direkt gegenüber St. Paul’s – inmitten von feiernden High-Society-Kids. Wir waren zwar nicht Teil der von Security abgesicherten Partyarea, aber es war trotzdem äußerst amüsant, die Mädels in One-Shoulder-Kleid und offenen Heels bei 8 Grad Celsius sich die Zehen abfrieren zu sehen. Was tut man nicht alles.. Außerdem gab es in der Madison Bar des One New Change Mulled Wine (Glühwein) und einen 1a-Blick auf St Paul’s Cathedral – und natürlich auch auf die Feuerwerksexplosion am London Eye.

Feuerwerk am London Eye, 2018

Das Feuerwerk am Millenium Wheel macht Silvester in London unvergesslich. © Pixabay

 

Feuerwerk am London Eye, 2018

Die Londoner feiern an der Themse ein riesiges Volksfest, das von der BBC übertragen wird. © Pixabay

 

Als ich meinen Mann nach der Reise fragte, was er in diesen Blogbeitrag schreiben würde, sagte er: Unbedingt das typisch britische Understatement und London by Night an der Themse hervorheben! Und deswegen bin ich so froh, dass wir uns nach der Landung keinen Stress gemacht haben. Wir hatten insgesamt über zwei Tage zur Verfügung: 30. Dezember, 12.30h Ankunft,  Neujahr 20.15 Uhr Abflug. Bevor wir in Heathrow landen konnten, kreisten wir jedoch wieder und wieder über der Themse, ich glaube, ich bin noch nie so lange im Kreis geflogen, auch nicht über Paris-de-Gaulle oder Amsterdam Schiphol.

Flugzeugflügel und Wolken

Kreisen über Heathrow – bei der Aussicht völlig in Ordnung.

 

Danach waren wir aber ziemlich groggy, weil wir uns auf einen viel kürzeren Flug eingestellt hatten und hingen eine Weile im Hotel ab. Da das Hotel aus Kostengründen (es fing den teuren Flug wieder ab) direkt am Flughafen lag, brauchten wir mit der Tube knapp eine Stunde in die Stadt. Als wir endlich nach einem Zwischenstopp beim Mexikaner im Viertel Westend zum ersten Mal an die Themse kamen, war es schon lange dunkel und wirklich überwältigend. Londons Skyline in der Nacht sucht – auch wegen des Mixes aus Wolkenkratzern und Historischem – in Europa seinesgleichen. So mussten wir uns einfach nur treiben lassen und staunend an der Themse entlangschlendern. An diesem Abend sahen wir das London Eye aus der Nähe, the Shard (ein Hochhaus in der Form einer Scherbe) und Big Ben. Und wir entdeckten etwas Lustiges: Offenbar feiern Briten Silvester ganz gerne mal im Iglu 😉

Iglu aus Plastik, Menschen, Laterne

In einem solchen Iglu kann man mit Freunden an der Themse auf das neue Jahr anstoßen.

 

London Eye bei Nacht

Attraktionen wie das Coca Cola London Eye ..

 

Wolkenkratzer aus Glas mit Namen "The Shard"

.. oder das Gebäude The Shard (Die Scherbe) ergeben das beeindruckende Gesamtbild .. © @nigelthyler auf Instagram

 

Wolkenkratzer mit dem Namen The Shard, Weitwinkel

… der City an der Themse bei Nacht. © @nigelthyler auf Instagram

 

Weihnachtsbeleuchtung in der Londoner Innenstadt

London über Silvester ist auch deshalb eine gute Idee, weil überall noch die Weihnachtsbeleuchtung hängt. © Pixabay

 

Nach einem Streifzug durch the Streets of London traten wir die 50-minütige Rückreise ins Hotel bei Heathrow an und schlummerten in der Tube zum sich immer wiederholenden „Please mind the Gap between the Train and the Platform“ ein.

Die Tube. Mein Mann sagte, die dürfte ich auch auf keinen Fall unerwähnt lassen. Sie ist der Heartbeat von London – ohne sie geht nichts. Die Fahrt damit zeigt auf jeden Fall aber auch auf, wie viel smarter als in Deutschland die Dinge in anderen Ländern oft geregelt sind. Man kauft eine so genannte Oyster Card, lädt sie zum Beispiel mit 20 Pfund plus Kaution auf und zieht sie bei Ein- und Ausgang über den Laser. Dieser erkennt sofort den Preis je nach Dauer der Fahrt und Tageszeit, zieht ihn automatisch ab und zeigt dir im Display, wie viel übrig bleibt. Verpasst du es trotzdem mal, die Karte rechtzeitig wieder aufzuladen oder unterschätzt den Preis deiner letzten Fahrt, greift automatisch die Kaution als Reserve von fünf Pfund. Und: Die Oyster Card bleibt für immer gültig. Wir nahmen sie also mit zurück nach Hause.

Auch bleibt dir das in Deutschland übliche Wollknäuel auf der Liniennetzkarte erspart, das kein Mensch durchblickt. Zwar gibt es in London genau so eine Liniennetzkarte auch – damit du dich besser zurechtfinden kannst, sind die Haltestellen ganz einfach wie auf einer Perlenschnur von links nach rechts aufgereiht und überall, wo du umsteigen kannst, stehen die entsprechenden Namen (Jubilee, Metropolitan, …) der Linien mit ihren Farben darunter. So musst du dir eigentlich nur die Um- und Ausstiege merken, sonst nichts.

Ich zeige dir jetzt zwei stressfreie Touren, die du gut absolvieren kannst, wenn du dich 48 Stunden in London aufhältst:

Tour #1 ~ Culture & Views

© British Museum: Logo vector created by Ibrandify – Freepik.com
© Tube: Business vector created by Iconicbestiary – Freepik.com
© Bookshop: Background vector created by Photoroyalty – Freepik.com
© St Paul’s Cathedral: Logo vector created by Ibrandify – Freepik.com

Starte am British Museum, du gelangst mit folgenden Metrolinien dorthin:

🚇 Central: Holborn Station

🚇 Piccadilly: Holborn Station oder Russell Square

🚇 Northern: Goodge Street Station

Das British Museum ist wie zahlreiche staatlich finanzierte Institutionen in London umsonst. Es  ist eines der größten und bedeutendsten kulturgeschichtlichen Museen der Welt. Betrete die ikonische Eingangshalle – und hier hast du nun die Wahl: Interessiert dich die griechische und römische Antike? Wolltest du immer schon mal eine Ägyptische Mumie sehen? Oder zieht es dich zur asiatischen Kultur hin?

Mein Mann und ich waren völlig fasziniert von den drei assyrischen Reliefs mit dem Titel Königliche Löwenjagd. Zu Beginn unserer Beziehung waren wir zweimal nach Ägypten gereist und kennen Reliefkunst daher sehr gut. Die assyrischen Reliefs aus Ninive waren jedoch noch viel feiner gearbeitet – so etwas hatten wir vorher noch nie gesehen.

 

Nachdem wir nach den Assyrern die ägyptische Ausstellung begutachtet hatten, sollte es für diesen Tag im British Museum genug sein. Denn wir waren uns zum Glück einig: Eigentlich könnte man zwei volle Tage in dem Museum verbringen, doch es war ja eine Kurzreise und wir wollten noch andere Lieblingsplätze sehen.

Mit der 🚇 Central fuhren wir von der Tottenham Court Road zum Notting Hill Gate. Notting Hill.. du erinnerst dich bestimmt an die Schmonzette mit Hugh Grant und Julia Roberts? Lang ist’s her (1999). Die Drehorte kannst du jedoch natürlich immer noch besuchen. Dafür gehst du einfach die Pembridge Road entlang und biegst links auf die berühmte Portobello Road ein. Dort hatte ich einst – bei meinem ersten Londonaufenthalt 2001 einen Chocolate Decadence Cake gegessen und ich gebe zu: Auch deshalb zog es mich dorthin zurück 🙂 Merkwürdigerweise hatte ich die Portobello Road ganz anders in Erinnerung – flach und nicht hügelig, aber 2001 ist ja auch schon ganz schön lange her ..

Bei Welt der Drehorte kannst du folgendes nachlesen:

„Der Travel Bookshop, in dem William (Grant) arbeitet und Anna (Roberts) dort wegen eines Türkei-Reiseführers vorbeikommt, war zur Zeit der Dreharbeiten Nicholls Antique Arcade in der Portobello Road 142. In den letzten Jahren wechselten die Geschäfte darin jedoch immer mal wieder. Der Buchladen, welcher als Vorlage für den Film diente, befindet sich gleich um die Ecke (13, Blenheim Crescent). Die berühmte blaue Tür, hinter der William mit seinem peinlichen Mitbewohner Spike (Rhys Ifans) lebt, findet man nur wenige Meter davon entfernt, an der 280, Westbourne Park Road.“

Leider war es schon dunkel als wir diese drei Häuser aufsuchten, daher kann ich dir keine Fotos zeigen. Aber ich kann dir ein Restaurant empfehlen: Im The Earl of Lonsdale, 277-281 Westbourne Grove bekommst du gute Fish&Chips und zum Nachtisch einen himmlischen Apple Crumble 😋

Gut gestärkt fuhren wir mit der 🚇 Central ab Notting Hill Gate zu St. Paul’s Cathedral und dem Einkaufszentrum One New Change, wo wir dem Jahr 2018 entgegenfieberten. Das nächste Bild von unserem Weg dorthin stammt übrigens vom Instagram-Account meines Mannes (@nigelthyler). Vielleicht möchtest du ihm folgen, er postet Klasse statt Masse und ich freue mich immer, wenn ich Bilder von Nils auf meinem Blog verwenden darf.

Blick aus der Metrostation auf St. Paul's Cathedral

© @nigelthyler auf Instagram

St. Paul's Cathedral, beleuchtete Kuppel bei Nacht
Diesen Blick hatten wir von der Dachterrasse des Einkaufszentrums aus auf St. Paul’s. Nach dem Feuerwerk traten wir mit der Tube die Rückfahrt zum Hotel an. Vorteil der Silvesternacht in London: Zwischen 23.45h und 4.30h kannst du im gesamten Stadtbahnnetz für umsonst fahren. Aber Achtung: Einige feuerwerksnahe Stationen wie zum Beispiel Westminster sind gesperrt, die Tube fährt durch und hält nicht an.

Zum Glück ging unser Flug am Neujahrstag erst um 20.15h ab Heathrow, und so hatten wir am letzten Tag des Kurztrips Zeit für eine zweite Tour. Gemäß dem Motto Quality time ließen wir uns aber morgens richtig schön viel Zeit.

Tour #2 ~ Subculture & History

© London Bridge: Logo vector created by Ibrandify – Freepik.com
© Tube: Business vector created by Iconicbestiary – Freepik.com

Startpunkt dieser Tour ist Camden Town an der Metrolinie 🚇 Northern. Ich wollte Camden Town unbedingt wegen seiner Musikszene einmal gesehen haben.

Häuserfassade mit Schriftzug Camden

Camden ist „edgy“ und wurde in der Vergangenheit schon mehrmals zum musikalischen Epizentrum Londons.

 

Gebäudeansicht Camden LOck

Am Camden Lock, der Kanalschleuse, wohnten in den Siebzigern Künstler und eröffneten einen Markt für Selbstgemachtes. Heute ist Camden das kommerziellste Viertel jenseits der City. Hier werden immer noch Trends und Bands geboren – und in Windeseile als T-Shirts und Poster weiter verkauft.

Zu Camdens Prominenz gehören die alten Britpop-Rivalen Blur und Oasis, Ozzy Osbournes Tochter Kelly Osbourne, aber auch Model Kate Moss, und sie alle berauschten sich an der gänzlich unprätentiösen, runtergerockten Atmosphäre. Zum einem wahren Maskottchen Camdens wurde jedoch eine andere: Amy Winehouse. Die in Southgate geborene Soulqueen hatte 2010 ein Haus in Camden gekauft und wurde bereits in den Jahren davor ständig an dem Fixpunkt der alternativen Szene gesichtet. Mit ihrer ikonischen Beehive-Frisur, gepaart mit einem ausgeprägten Lidstrich, schlenderte sie mit ihrem On-Off-Ehemann Blake Fielder-Civil so lange Hand in Hand ihre Liebe demonstrierend durch den Stadtteil, bis man das Bild wirklich ums Verrecken nicht mehr sehen konnte. Winehouse und Fielder-Civil waren quasi die freakige Version des deutschen Ehepaars Wulff: Sie hatten 2007 in Miami zum ersten Mal geheiratet. Die Ehe wurde 2009 geschieden. Ein halbes Jahr eröffnete Fielder-Civil dann der Sun, dass sie wieder verlobt seien. Die Irrungen, Wirrungen und gemeinsamen Drogeneskapaden verarbeitete Amy in ihrem Song Back to Black – mit Black waren gleichzeitig ihre dunkle Seite und Blake gemeint. Seit dem Jahr 2011 gehört die Königin von Camden wie Kurt Cobain dem berühmten Club 27 an, aber ihr Andenken ist in Camden sehr präsent.

Wandkunst Pop Art mit Amy Winehouse Kopf

„We only said Goodbye with Words“ ist eine Zeile aus „Back to Black“ – das Bild im Pop-Art-Stil hängt in einer kleinen Ladenpassage am Camden Lock.

Ich googelte schnell und lernte, dass Amy im Haus mit der Nummer 31 am Camden Square lebte und starb. Auf dem Weg dorthin waren wir überrascht, in ein anderes, gelasseneres Camden zu kommen; das der pittoresken Straßen und feudalen Villen. Am Camden Square angekommen, erschien die Sonne am Londoner Himmel und sorgte für meinen ganz speziellen London-Moment. Das Viertel in der Blauen Stunde im Winter zu erleben, war etwas ganz besonderes, sieh selbst:

Die feudalen Villen am Camden Square in der winterlichen Abendsonne.

 

In diesem Haus 31, Camden Square lebte und starb Amy Winehouse. Sie hatte es für 2,8 Millionen Euro gekauft, und ihr Vater Mitch listete es nur zehn Monate nach ihrem Tod mit einem etwas höheren Betrag.

 

Zum Schluss unserer Tour durch Camden möchte ich dir noch ein Restaurant empfehlen: Bei Porky’s BBC gibt es Soulfood wie in einem authentischen American Grill. Restaurants haben es im Allgemeinen sehr schwer, meinen Mann zu überzeugen, kennst du das auch? Deswegen führe ich auf meinem Blog hiermit ein neues Label ein: Alles, was sich gut eignete, mit Partner zu unternehmen – ob Restaurants oder Sehenswürdigkeiten – werde ich mit Suitable for Men, sprich: Für Männer geeignet kennzeichnen. Ich hoffe, das Label hilft dir ebenfalls, mehr Quality Time auf Kurzreisen für dich und deinen Partner herauszuholen 😉

Restaurantfassade

Das Porky’s BBQ in Camden liegt an der 18 Chalk Farm Road und bietet gutes Soulfood.

 

Den Abschluss unserer Reise bildete die Tower Bridge, zu der du die Metrolinie 🚇 Northern bis London Bridge Underground Station nehmen kannst. Ein Fußweg von etwa 15 Minuten führt dich zur Tower Bridge. Wenn ich an die Tower Bridge dachte, kamen immer Bilder vom Englischunterricht in der Schule hoch, in dem wir die ganzen Sehenswürdigkeiten Englands durchnahmen, die mir immer sehr verstaubt vorgekommen waren. Bei diesem zweiten Besuch in London (an dem ich zum ersten Mal die Tower Bridge sah), wurde mir bewusst, dass ich mit einem völlig falschen Bild umgegangen war. So wie das Bauwerk an der Themse steht und beleuchtet wird, wirkt es zwar märchenhaft, aber trotzdem überaus modern. Dazu kam an dem Abend, dass der Vollmond und ein klarer Himmel eine unvergessliche Kulisse schafften. Das war ein guter Abschluss für unsere Quality Time in London.

Der Choral am Ende der Reise: die historische Tower Bridge.

Ich hoffe, dir ein paar hilfreiche Tipps und interessante Infos gegeben zu haben und wünsche dir viel Spaß, falls du auch einmal einen Silvestertrip nach London unternimmst!

Deine Bea

Der Nils und ich 💗

 

 

 

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